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Es begann mit Zeichnen in einem Volkskunstzirkel - Anatomie nach akademischer Art.

Anfang der 80er Jahre dann der Wechsel zum Theater: Volksbühne Berlin, Wittenberg, Freiberg, Deutsches Theater Berlin.
Daneben und später frei als Bühnen- und Kostümbildner in Dresden, Cottbus, Heidelberg, Schwedt, Anklam, Duisburg, Greifswald, Luxemburg, Halle.
Die Fotografie ist für mich ein Extrakt aus Zeichnung, Malerei, Theater, Architektur und mein schwarzer Raum mit den Lampen und Requisiten erinnert mich an die Bühne des Theaters. Allerdings verblassten diese Erinnerungen allmählich und wurden durch neue Eindrücke gelegentlicher Arbeit bei Film und Fernsehen ersetzt.

Und das Theater von heute ist auch nicht mehr das Theater, an das ich mich zu erinnern glaube. Waren wir damals Jungen doch die, die Veränderung wollten.

Ich bin kein Dienstleister und auch kein Handwerker. Ich fotografiere aus innerem Antrieb und auch, weil mir das Malen irgendwie abhanden gekommen ist.
Und dann gibt es da noch den schönen Begriff "Kunstgenuss" - Ja ich geniesse es ...

Ich finde es äusserst bedenklich, wenn jemand sagt, dass er Menschen als Werkzeug oder als Material benutzt und ich hoffe, dass ich Menschen als Menschen sehe und portraitiere.
Diese waren vorwiegend Schauspieler, Tänzerinnen und andere Künstler, aber auch Personen aus dem sogenannten "normalen Leben" und ich betrachte sie als meine Freunde.

Wenn jemand neu zu mir kommt, entsteht dieses freundschaftliche Verhältnis fast immer ziemlich schnell.
Man trifft sich zu gemeinsamer künstlerischer Arbeit und manche bleiben mir und manche verschwinden wieder aus meinem Leben.
Und hin und wieder meldet sich auch jemand erst nach sehr langer Zeit.

Am liebsten arbeite ich mit jemand, der in irgendeiner Weise selbst kreativ ist oder mich auf besondere Weise inspiriert.
Natürlich bin ich immer auf der Suche nach neuen Gesichtern, versuche aber hauptsächlich, mit einem kleinen Freundeskreis kontinuierlich und langfristig zu arbeiten.

Selbst ein Akt sollte immer ein Portrait sein und keine "Körperlandschaft", bei der die Steine am Strand und irgendwelche Sträucher wichtiger sind als der dargestellte Mensch.
Das gelingt natürlich nicht immer.
Wenn ich Akt fotografiere, geht es mir nicht um aufreizend "sexy" Posen und gefällige Erotik, sondern um das archaische Freimachen von Verhüllungen und modischen Verkrustungen, das Ablegen von Accessoires und Statussymbolen.

Heiner Müller lässt in "Der Bau" eine Figur sagen:"Du willst allen gefallen? Dann musst Du Schlagersänger werden" - Ich bin kein Schlagersänger.
Und die alte Meisterin, bei der ich vor vielen Jahren malen lernte, sagte: "Dem Ungebildeten gefällt das Billige. Kunst zu verstehen, setzt Bildung voraus". Kunst verstehen zu lernen ist Bildung.

Mein liebster Kommentar: "Eine ganze Geschichte in einem Foto mit wunderbarem Licht und exzellentem Schnitt - da gibt es wohl einen Fotografen, dessen Bilder zuerst im Kopf entstehen!"
Das stimmt so aber nicht ganz. Ich habe kein vorgefasstes Konzept und ich konstruiere keine Bilder. Ich sorge für Raum, Licht, Umfeld, Stimmung und dann lasse ich gemeinsam mit den Beteiligten Bilder entstehen,etwa so, wie ein Maler mit der leeren weissen Leinwand beginnt.
Es kann schon mal passieren, dass ich im Vorfeld einer Sitzung, besonders wenn jemand neu zu mir kommt, den Eindruck erwecke, dass ich keine Ahnung davon habe, was ich vorhabe.

Und manchmal fange ich an rumzustottern, wenn ich gefragt werde, ob ich schon weiss, was wir machen wollen. Manchmal sauge ich mir dann einen ganzen Film aus den Fingern, nur um intellektuell besser dazustehen. Gelegentlich reagiert mein Gegenüber auch schon mal verstört und bricht den Kontakt schnell wieder ab.
Das ist dann aber auch nicht schade drum.

Oder - mir begegnet jemand - "kreativ, phantasievoll, künstlerisch begabt" usw., wirft ein Thema in den Raum und ich beginne, wie ich es vom Theater her kenne, einen dramaturgischen Faden zu entwickeln, mit Hinweisen auf bekannte Romane, Filme, Personen, Bilder, Maltechniken, psychologische und gesellschaftliche Zusammenhänge, was auch immer und es stellt sich grosse Verwirrung heraus und das Fehlen der elementarsten Allgemeinbildung.
Das macht mich dann schon traurig. Auch da ist es am besten, schnell abzubrechen.
Besonders zuwider sind mir seelenlose Posen und Verrenkungen, die mir als "AUSDRUCKSSTARK" verkauft werden oder sinnlos dekorierte, auswechselbare Larven - Gesichter.
Oder, wenn ich für etwas bezahlen soll, was ich meinerseits zu verschenken bereit bin.

Wenn Du zu mir ins Studio kommst, um von mir fotografiert zu werden, weisst Du aufgrund Deiner Erziehung, Deiner Bildung oder,weil Du es heute zum ersten Mal erklärt bekommst, dass Du Teil eines künstlerischen Prozesses bist.
Dieser Prozess ist äusserst komplex, sensibel und leicht zu beschädigen. Zwischen den Beteiligten entsteht ein zartes Geflecht energetischer Verbindungen, vergleichbar dem Netz einer Spinne, in deren Mittelpunkt der Künstler sitzt und die Fäden in der Hand zu halten versucht.
Von den beteiligten Personen, aber auch von den technischen Komponenten - Kamera, Licht, Raum, Kostüm, MakeUp, Maske, Frisuren - gehen Energien und Informationen aus, die der Künstler einfangen, bündeln und verarbeiten muss.
Das erfordert eine hohe Konzentration und viel Einfühlungsvermgen.
Jede einzelne dieser Komponenten kann den künstlerischen Prozess empfindlich stören, im schlimmsten Falle unterbrechen. Dabei sind die technischen Widrigkeiten vergleichsweise harmlos, da der "Meister" solche Probleme überspielen kann, ohne dass die kreative Grundstimmung leidet - im Gegenteil, manchmal entstehen durch Zufall und Improvisation ganz eigene spannende Ergebnisse.
Eine weitaus grössere Gefahr geht von den beteiligten Personen aus. Der Künstler begibt sich zu hundert Prozent in Abhängigkeit.
Das erwartet er auch von den beteiligten Personen. Wenn jetzt plötzlich auf seine Vorschläge ein "Nein, das mach ich nicht" oder etwas ähnliches erklingt, reisst der Faden ab und der "Meister" verlässt den Raum, zurück bleibt ein seelenloser Handwerker, der irgendwelchen Routienekram abwickelt.